Sonntag, 22. Mai 2016

Festivalbericht: Das Dark Troll Festival 7 vom 5. bis 7. Mai



Zum siebten Male strömten die schwarz gekutteten Pagan- und Black-Metal-Fans zum bekannten Termin an Himmelfahrt auf die Burg Bornstedt im Mansfeldischen. Wenn das die alten Ritter wüssten … Und zum ersten Mal war das Festival mit gut 1000 Besuchern ausverkauft. Angesichts solcher Headliner wie Firtan, Finsterforst, Black Messiah, Graveworm oder Moonsorrow auch kein Wunder. Zusätzlich dürfte sich auch langsam herumgesprochen haben, was für eine fantastische Location die Burgruine der Schweinsburg bietet. Und zu allem Überfluss war das Wetter perfekt. Auch die Sonne gab also dem stromverstärkten Treiben ihren Segen.

Eröffnet wurde das Dark Troll am Donnerstag von Waldtraene, die mit eher besinnlichen Tönen ihres Pagan Folks über alte thüringisch-germanische Themen schon zum zweiten Mal den Opener gaben. Ab drei Auftritten wird es übrigens nach alter Väter Sitte eine Tradition! Es folgten Stiriah, die mit bretthartem Black Metal die Ohren aller Anwesenden durchputzten und so gut auf die weiteren Bands vorbereiteten. Killing Spree aus Cottbus führten diesen Weg konsequent fort. Zum Atemholen gabs als nächstes melancholischen Pagan Black Metal von Lux Divina aus Spanien. Der guten Stimmung bei den Zuschauern vor der Bühne tat das in keinster Weise Abbruch. Im Gegenteil, auch die Mannen aus Gavà hatten alles im Griff. Dann kamen Firtan und lieferten eine in Black Metal gegossene Hammershow. Es folgten Finsterforst, der Headliner des Abends. Wie gewohnt lieferten die Mannen aus dem Schwarzwald eine druckvolle Performance ab. Leider kam außer den Bläsern auch das Akkordeon bei diversen Songs aus der Konserve, denn ihren Akkordeonista, Johannes Joseph, hatte die Band zu Hause gelassen. Vielleicht auch aus Platzgründen, schließlich ist das Dark Troll ein kleines Festival und auch die (übrigens fest installierte) Bühne ist da eher kuschelig als üppig dimensioniert. Der Abend endete nicht besinnlich, sondern mit Black Metal von Saxorior.

Killing Spree

Lux Divina


Auch am Freitag waren die Besucher voll dabei. Müdigkeitserscheinungen gab es keine. Und wenn, dann wurden sie standhaft ignoriert. Denn es warteten neue Highlights. Die Opener Bluteck aus Thüringen lieferten in düsterer Aufmachung Black Metal, der zwischen röhrenden Gitarren und markanter Stimme pendelte. Kosmopyria aus Coburg lockerten dank Sänger Christian Hummel die Stimmung ungemein auf. Mit einigen Dehnungssübungen rund um Hals und Schulter konnten so auch noch die folgenden Bands gebührend mit rhythmischen Kopfbewegungen geehrt werden. Als da wären Wolves Den mit Black Metal aus München und Thrudvangar mit Viking Metal aus Köthen und fast so etwas wie Lokalmatadoren und dementsprechend auch ordentlich abgefeiert. Es folgten als kleine Atempause Fen aus London, die mit atmosphärischem Progmetal einen Kontrapunkt zum bisherigen Tagesverlauf setzten. Zeit, um sich besinnlich etwas Gerstensaft durch die Kehle rinnen zu lassen und Energie für die nächsten Höhepunkte zu tanken. Black Messiah boten früh am Abend schon einen Höhepunkt des Tages. Die heidnischen Schwermetaller aus Gelsenkirchen und einer der Leuchttürme der deutschen Pagan-Metal-Szene, wurden für ihre großartige Show vom Publikum bejubelt. Hier stimmte alles. Die Bühne war nun bereit für Helheim aus Norwegen. Das Urgestein des norwegischen Viking Metal ließ nichts anbrennen und zeigte routiniert einen starken Auftritt. Die Südtiroler Graveworm waren aus ihrem Alpental nach Sachsen-Anhalt gekommen, um vor allem neues Material zu zeigen. Nur zwei ältere Stücke standen im Lineup der Pagan-Metaller, was der Stimmung beim Headliner des Abends aber keinen Abbruch tat. Zum Schluss des Tages putzten Heimdalls Wacht mit Pagan Metal noch einmal die Ohren aller Anwesenden. Schließlich soll man ja sauber ins Bett gehen.

Thrudvangar


Black Messiah


Am dritten und letzten Tag des siebten Dark Trolls zeigten sich dann doch erste Ausfallerscheinungen beim Publikum, das ansonsten gute Nehmerqualitäten zeigte.  Der Opener Wrack spielte noch vor überschaubaren Zuhörerzahlen, dabei gingen es die Bochumer vorsichtig an mit ihrem melancholischen Black Metal. Vermutlich wollten sie die Langschläfer auf dem nahe gelegenen Campingplatz ganz sanft wecken. Das gelang auch ganz gut, denn schon bei Dvalin, den Folk Metallern aus dem fränkischen Würzburg, füllten sich die Ränge merklich. Mit E-Gitarre und Dudelsack spielten die Musikanten freudig auf. Endgültig wach wurden wohl auch die hartnäckigsten Kissenumarmer mit den Schwerinern von Strydegor. Für ihren Melodic Death Metal malträtierten sie ihre Instrumente inbrünstig, was als Schritt in die richtige Richtung angesehen werden muss und sich folgerichtig auch in weiter steigenden Zuschauerzahlen niederschlug. Die Laune unter den Besuchern hob sich von Band zu Band merklich. Himinbjorg aus Frankreich schoben sich mit ihrem nur ganz dezent von Dudelsack-Klängen variierten Pagan Metal dazwischen, gefolgt von Cnoc An Tursa. Bei den stilecht in Kilt gewandeten Schotten zog sich der Soundcheck recht lange hin, was leider zu einigem Verzug führte, ehe sie ihre getragenen Melodien zu hohem Gesang auch in Sachsen-Anhalt verbreiten konnten. Interessant waren auch Khors aus der Ukraine. Sie gehörten zu den Bands, die man in Deutschland nicht so oft zu sehen bekommt. Auch für solche Erfahrungen ist das Dark Troll immer gut, so dass man hier immer seinen musikalischen Horizont erweitern kann. Mit ihren düsteren, getragenen Soundteppichen spielten sie einen äußerst ernsthaften Black Metal. Mit Obscurity erschien eine Art Headliner vor dem Headliner. Das Publikum tobte, hier war eine große Fanbasis angereist, die die Melodic-Death-Metal-Band aus dem Bergischen Land um den charismatischen Sänger Agalaz frenetisch feierte. Doch dann endlich erschien der eigentliche Headliner: Moonsorrow. Extra aus Finnland angereist, schaffte es die ikonische Pagan-Metal-Band, etwa fünf ihrer episch langen Songs in der ihnen zugestandenen Zeit unterzubringen. (Wenn ich mich nicht verzählt habe.) Das Publikum lauschte hingebungsvoll. Schließlich standen hier alle vor einem der Urgesteine des Pagan Metal. Die Black-Metaller von Thyrgrim aus Oberhausen beschlossen den Abend und damit das Dark Troll 7 würdevoll.

Dvalin

Himinbjorg


Erwähnt werden soll hier auch das fantastische Umfeld. Welches Musikfestival findet schon auf und in einer historischen Burgruine statt?! Da gibt es wirklich nur sehr wenige andere. Die Beschränkung durch das vorgegebene Gelände bewahrt auch davor, zu groß zu werden. Das Dark Troll will laut den Veranstaltern in Zukunft weder weiter wachsen noch an einen anderen Ort umziehen. Veranstalter wie Gäste dürften wissen, was sie an der Burg in Bornstädt haben. Neben dem obligatorischen Festivalgetränk Nummer 1, der Hopfenkaltschale, wurden an eigenen Ständen auch Cocktails oder gar diverse Whisky-Sorten für den besonderen Geschmack angeboten. Wenn das kein Service für den Kenner ist. Merchandising zu den einzelnen Bands durfte auch nicht fehlen. Und außer der allgemein verbreiteten Bratwurst und Frikadelle wurden mit Burritos, Burgern und Handbrot auch Alternativen offeriert und dankbar angenommen, wenn man die Schlangen an den jeweiligen Ständen als Maßstab nimmt. Besonders erwähnt werden sollte unbedingt die großartige Reenactment-Truppe aus Berlin, die in diesem Jahr schon zum vierten Mal stilecht in ihren Zelten auf der Burg campierte, frühmittelalterliches Handwerk zeigte und an mehreren Tagen zum spannenden Schaukampf lud. Übrigens zeichnete sich auch die Security durch freundliches, entspanntes und korrektes Auftreten aus. Da leistet man doch deren Anweisungen gerne Folge.

Spannender Schaukampf


Das Dark Troll: Ein rundum besonderes Festival, das ich jedem Anhänger der elektrisch verstärkten Zupfinstrumente-Musik wärmstens empfehlen kann. Aber kümmert euch rechtzeitig um Karten, denn diese sind aufgrund der einzigartigen Lokalität sehr begrenzt.


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